LEHRANALYSEN

Freud hatte eine geniale Idee:

»Wenn die Vertreter der verschiedenen Geisteswissenschaften die Psychoanalyse erlernen sollen, um deren Methoden und Gesichtspunkte auf ihr Material anzuwenden, so reicht es nicht aus, daß sie sich an die Ergebnisse halten, die in der analytischen Literatur niedergelegt sind. Sie werden die Analyse verstehen lernen müssen auf dem einzigen Weg, der dazu offen steht, indem sie sich selbst einer Analyse unterziehen. Zu den Neurotikern, die der Analyse bedürfen, käme so eine zweite Klasse von Personen hinzu, die die Analyse aus intellektuellen Motiven annehmen, die nebenbei erzielte Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit aber gewiß gerne begrüßen werden. Zur Durchführung dieser Analysen bedarf es einer Anzahl von Analytikern, für die etwaige Kenntnisse in der Medizin besonders geringe Bedeutung haben werden. Aber diese — Lehranalytiker wollen wir sie heißen — müssen eine besonders sorgfältige Ausbildung erfahren haben. […] Das Ganze erfordert aber ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit und verträgt keine kleinlichen Beschränkungen.« (Sigmund Freud 1955, 284)

Lehranalyse ist heute dagegen ein Teil der Ausbildung zum Psychoanalytiker.

In meiner Praxis möchte ich Gelegenheit bieten, die ursprüngliche Idee Freuds für »Lehranalysen« umzusetzen als Studium für die , die Psychoanalyse nicht nur aus dem Buch rezipieren wollen, sondern in einer Reihe von Sitzungen etwas von dem erleben möchten, was geschrieben steht.

 

Sigmund Freud, Die Frage der Laienanalyse (1926),  Gesammelte Werke Bd. XIV, Frankfurt am Main 1955, Fischer, S. 209–296.