Kant in der Orangerie

Einstein Forum: Kunstinstallation „Die Macht der Aufklärung – Walking with Kant“ von Saskia Boddeke und Peter Greenaway in der Orangerie im Potsdamer Neuen Garten. 24.08. bis 25.09.2024

Operninszenierung Kants übersetzt in eine Videoinstallation mit museumarchitektonischen und bühnenbildnerischen Einschüben, aufgeführt in den Räumen eines ehemaligen Gewächshauses (1771-1772 von Friedrich Wilhem II in Auftrag gegeben) eines monarchischen Ambientes mit königlichen Gärten, Seen und Schlössern. Von der Monarchie sehr stark geprägt, von Friedrich II., der sich als Aufklärer verstand. In der Lebenszeit überschnitten sich Kant und Friedrich. Kant soll Friedrichs Sympathien für die Aufklärung geschätzt und für dessen Aufklärungsabsichten Respekt entwickelt haben. Seinen Gedanken in „Was ist Aufklärung?“ entsprach die Politik Friedrichs tangential.

Kant kommt aus Königsberg über Boddeke und Greenaway nach Potsdam ins Treibhaus, dorthin, wo etwas wuchs, blühte, Früchte trug oder nur eine Zier war, was draußen eingehen würde.

Gut für die aktuelle Situation aus Kant ausgewählte Sätze kommen englisch auf den wandernden Betrachter zu. Die Einbauten in die Orangerie schirmen diese ganz und gar vom Tageslicht ab. Hochartifizielle Vergegenwärtigung der Aufklärung. Für das Licht, was von oben kommt brauchen die Kuratoren Wasser, wie aus Duschköpfen. Nur perliger. Die Kantfigur gerät dabei auch ins Rutschen.

Im Raum der Auseinandersetzung oder Entgegensetzung von Tod und Hoffnung träufelt von oben Wasser auch in Echt von der Decke in ein Bassin. Es benetzt den Widerstreit, der sich dauernd gegenseitig infiltriert.

Die Folgen der Aufklärung haben die Orangerie konvertiert.

Orangen kann man bei der EDEKA kaufen, der Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler.

Olaf Scholz war auch da. Er durfte bei der Eröffnung reden. Er sprach frei über Kant in guter Laune und mit Schmunzeln, hörte ich.

Ich kam wegen Bus- und Zugverspätung und der Wegweisung durch Ortsansässige zu spät. Man hatte mich zur anderen Orangerie geschickt. Das führte zu einem schnellen Spaziergang.

Susan Neiman sagte, was gesagt werden muss, freundlich, überraschend uninspiriert. Boddeke belebt, Greenaway kurz und mühsam, die Tochter, Pip Greenaway, die mitgewirkt hat, enthusiastisch. Sie betonte, dass sie für die nächste Generation spräche.