NZZ VOM 20.09.2024 / von Roman Bucheli

Der Revolutionär mit Sturmhaube: Milo Rau präsentiert am 1. März 2024 sein erstes Programm als Intendant der Wiener Festwochen und kündet die Ausrufung der Freien Republik Wien an.
Ich stimme Bucheli in Vielem zu, nur:
Es ist äußerst langweilig, wenn sich die Linke dadurch profiliert, dass sie gegen den Rechtsruck ist. Der ist gefährlich, macht dumm und gewalttätig. Aber darauf mit dem Finger zu zeigen, macht die Rechten nur interessant. Negation ist keine eigene Idee. Mit der Zeit wird man infiziert vom Negierten.
Den »Linken« fehlen starke, riskante Entscheidungen. Sie/ Wir haben es verlernt Risiken einzugehen. Die Zukunft ist ungewiss. In einer solchen Situation zählt, dass jemand, eine Gruppe, bereit ist, Schuld auf sich zu laden, und nicht allem und jedem gerecht zu werden.
Eine Baustelle wäre die Diskussion um neue Gesellungsformen, die die Nachteile des Individualismus aufheben, die eine »Religionskritik« praktisch betreiben, indem sie nicht vom System, vom Staat, von der Politik, von »Gott« Erlösung erhoffen:
Arbeit in ihren sozialen Formen verändern, Arbeit nicht als lästig, Urlaub und Rente als Erlösung propagieren.
Bucheli hat seine Freude am Konservatismus der Linken. Sei sie ihm gegönnt. Aber er hat das zu feine ironische Spiel von Milo Rau nicht verstanden. Es ist ein Theaterstück.
Es braucht ein Nachdenken über die Art der Förderung der Künste, nicht ein Streichen. Aber bei Gutachterverfahren auch oft nur das Altbewährte gefördert wird und der technische und personelle Anspruchsdruck der öffentlichen Häuser bringt nicht notwendig bessere Künste hervor.
Künste müssen gewollt werden. Die Leute müssen ihre Entscheidungen mit eigener Energie und Lebenszeit bezahlen.
Das hätte auch Auswirkungen das hochsubventionierte Heer von Managern, Unternehmensberatern, die den Auftraggebern vor allem die Erleichterung bringen: Ich bin wissenschaftlich beraten worden. Mich trifft keine Schuld.
Red. Sonia Simmenauer & Dagmar Jacobsen


objektiven Unheil, das im Namen des Paranoikers über die Welt geht, macht die Diagnose lächerlich, in der bloß der Diagnostiker sich aufplustert. Vielleicht ist Hitler »an sich« ein pathologischer Fall, ganz gewiß aber nicht »für ihn«. Die Eitelkeit und Armseligkeit vieler Kundgaben der Emigration gegen den Faschismus hängt damit zusammen. Die in Formen der freien, distanzierten, desinteressierten Beurteilung Denkenden waren unfähig, in jene Formen die Erfahrung der Gewalt mit aufzunehmen, welche real solches Denken außer Kraft setzt. Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.«



