Neue Kompetenz entwickelt

HfBK Newsletter Oktober 08, S. 7
Einführung eines Zertifikats »Genderkompetenz«
An den Hamburger Hochschulen können Studierende seit Sommersemester 2008 ein neuartiges Zertifikat »Genderkompetenz « erwerben. Dazu können sie sich die im Studium erworbene Genderkompetenz zertifizieren lassen. Das Zertifikat kann am Ende des Studiums separat neben dem eigentlichen, fachbezogenen Abschluss beantragt werden. Hintergrund: Genderkompetenz gilt zunehmend als Schlüsselqualifikation in modernen Organisationen, und ein Nachweis kann für den beruflichen Einstieg vorteilhaft sein. Mindestvoraussetzung für die Erlangung des Zertifikats sind neun Leistungspunkte (ETCS), d. h. in der Regel drei Lehrveranstaltungen.
Die anrechenbaren Veranstaltungen ab Wintersemester 2003/04 siehe unter:
www.genderstudies-hamburg.de / vorlesungsverzeichnis /kurstableau
Kontakt und nähere Infos:
Hochschulübergreifende Koordinationsstelle Frauenstudien, Frauen- und Geschlechterforschung,
Dagmar Filter, Leitung
Rothenbaumchaussee 19, 20148 Hamburg
Tel. 040 / 42838-5966
dagmar.filter@wiso.uni-hamburg.de

Entgeisterung / Leistungs-/Belastungsbezogene Mittelvergabe

in der EPB- Fakultät
Die Einführung in diese so genannten „Leistungs-/Belastungsbezogene Mittelvergabe“ ist, so muss man einfach feststellen, das Eingeständnis der Entgeisterung auch an unserer Fakultät. Auf diese Spur weist schon der erste Satz unter dem Grundgedanken hin, der bezeichnenderweise sich nicht anders zu helfen weiß, als in einer Verneinung zu sprechen. Demjenigen, der eine solche Verneinung schreibt, muss zunächst der zentrale Gedanke eingefallen sein:„Es geht darum, die Mitglieder durch finanzielle Gratifikation, also äußerer Anreize zu motivieren. Es geht um einen komplexen sozialen Prozess der Entwicklung einer kooperativen Kultur“.
Dieser Gedanke wurde dann schnell verneint und wird zum programmatischen Vorwort.Es geht also darum, eine kooperative Kultur, die offenbar nicht existiert, zu entwickeln. Dies will man erreichen durch Geldanreize. Ein solches Anreizsystem fällt hinter die auch aus meiner frühen Schulzeit bekannten Methoden der Fleißkärtchen zurück; waren sie doch immer noch gebunden an die Unterstellung von Aufmerksamkeit, konnten sie verstanden werden als glitzernder Ausgleich für die eigene Anstrengung vergeben von einer geachteten, gefürchteten, manchmal auch geliebten Person.
Ein nun entwickeltes System, das letztendlich von der Quantifizierung von Leistungen lebt, ist ein Ausweis des Misstrauens in ein wie auch immer geartetes gemeinsames Begehren der Leute, die an diesem Fachbereich, an dieser Fakultät, in dieser Universität arbeiten.
Wenn es Kernziele der Organisation sind, Drittmitteleinnahmen zu erzielen, eine gewisse Quantität von Publikationen zu produzieren, die Lehrqualität messbar zu machen und die Nachwuchsförderung in Zahlen auszudrücken, die Zahl der abgelieferten Produkte in Form geprüfter Studenten zu erhöhen, dann könnte dieses Bestechungssystem funktionieren. Der Nebeneffekt eines solchen Systems ist es, dass man sich über vieles überhaupt nicht mehr streiten muss, dass es keiner inhaltlichen Diskussion bedarf, sondern dass man darauf verweisen kann, dass diese und jene Mittel verausgabt werden, weil diese und jene messbaren Leistungen erbracht worden sind. Das ist dann objektiv so. Man könnte auch sagen, dass das die Abschaffung von Freiheit und der gelebten Differenz durch einen erfundenen Sachzwang bedeutet. Die angeblich darin liegende Gerechtigkeit wird zu einem Zurechtstutzen, die Transparenz lässt erkennen, das dann, wenn viele „gut“ sind im Sinne dieses Systems, die einzelnen Guten weniger bekommen. Das ist ein Rückschritt gegenüber dem Ablasssystem der katholischen Kirche, die zumindest einen unerschöpflichen Gnadenschatz verwaltet.
Aber ich bin wahrscheinlich ein Romantiker, mir ist es nicht gegeben, ein „drittmittelstarker Professor“ werden zu wollen. Allerdings bin ich immer noch einer der nach Gesellung mit gemeinsamen, lebendigen Begehren strebt, das seine erotische Spannung aus der Differenz und Inkommensurabilität bezieht. Leider macht das auch verletzlich. So sehe ich mich oft zum schützenden Rückzug veranlasst, da ich nicht dauernd heroisch masochistische Neigungen entfalten kann.Offenbar ist es uns nicht gelungen, ich schließe mich da ein, eine Institution zu erhalten, oder zu begründen, die ein gemeinsames Streben durch begeisternde Ziele und eine sich gegenseitig begeisternde Gruppe von Lehrenden und Studierenden erzeugt, die darin indirekt auch soziale Kontrolle über die gemeinsame Sache in einem erlebbaren und überschaubaren und dadurch nicht immer greifbaren aber vernehmbaren Raum-/Zeitgefüge schafft. Man muss sich darüber klar werden, dass eine solche Mittelvergabe das Eingeständnis ist, dass uns inhaltlich (fast) nichts zusammen hält. Es sei denn in kleinen, fast freundeskreisartigen, insulären Grüppchen in der Institution und gleich auch jenseits derselben.Zusammenhalten können auch Differenzen, Inkommensurabilitäten, aber dazu müssen diese erst einmal anerkannt werden, zur Anerkennung braucht es eine Kultur des Zusammenarbeitens. Wir haben uns zu einem Punkt gebracht, wo dies durch die schiere Größe und Diversität der Fakultät nicht mehr möglich ist. Es kann offenbar auch kein Widerstand erzeugt werden, gegen die Zumutungen der sachfremden Bürokratie.
Einen handlungsanleitenden Rat weiß ich mir auch nicht. Ich kann mir nur vorstellen, neben dieser offiziellen Kultur der Fakultät, zu versuchen kleine Parallelgesellungen zu etablieren und die Geduld zu haben, vielleicht auch im Hinblick auf eine nächste Generation, dass das vorgeschlagene System sich selbst zerstört, das wird es unweigerlich tun. Auch der DDR haben Fünfjahrespläne und die Auslobung von Auszeichnung wie „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ nicht wirklich geholfen. Daran ändert auch nichts, dass unser System nüchtener und unideologischer daherkommt. Gerade dies ist notwendig, um nicht das fundamentale Misstrauen in Lehrenden und Forschenden aussprechen zu müssen.

Documenta 12

Soeben erschienen mehrere Beiträge zur Documenta 12 u.a. von KJP: BloßesLeben, Schönheit, Dummheit und Kunst. Artheon. Mitteilungen der Gesellschaftfür Gegenwartskunst und Kirche, Nr. 26, April 2008, S. 9–16. 

Télévision

———————————————————————-5. berlin biennale When things cast no shadow. Mes nuits sont plus belles que vos jours.———————————————————————-Freitag, 25. April 2008 / 20 Uhr Jacques Lacan: Télévision———————————————————————-Filmvorführung mit einer Einleitung von Claus-Dieter Rath imKW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69,10117 Berlin-Mitte(U6 Oranienburger Tor, S1/S2/S25 Oranienburger Straße,S5/S7/S9 Hackescher Markt)Der Eintritt ist frei.———————————————————————-1972 schlug Benoît Jacquot vor, Jacques Lacan (1901– 1981) in diefranzösischen Wohnzimmer zu bringen. Das Interview, das er mit demberühmten Psychoanalytiker führte, wurde von dem französischenFernsehsender ORTF unter dem Titel Psychanalyse ausgestrahlt, in der Folge umgeschrieben und 1974 in Télévision umbenannt. Lacans einzigerFernsehauftritt, zehn Jahre nach Gründung seiner Ecole Freudienne de Paris, war keine Populärversion seiner Lehre. Stattdessen machte er nicht ohne Weiteres verständliche Aussagen zu Fragen des Affekts, der psychischen Energie und der familiären Unterdrückung. Ein eigentümliches, einzigartiges Dokument, das in demselben Maße Aufschluss über die Psychoanalyse gibt wie über die Art und Weise, in der sich Lacan im Fernsehen präsentierte. Erstmals ausgestrahlt in zweiTeilen am 9. und 16. März 1974, Regie: Benoît Jacquot, Interviewer: Jacques-Alain Miller. (OV)———————————————————————-Claus-Dieter Rath ist Psychoanalytiker in Berlin und Gründungsmitglied der Fondation Européenne pour la Psychanalyse (1991), derFreud-Lacan-Gesellschaft.Psychoanalytische Assoziation Berlin (1997) u.a. Nach der Filmvorführung besteht die Gelegenheit zur Diskussion, unter anderem über den wohl größten Allgemeinplatz der visuellen Medien: das Fernsehen.

Das Unheimliche

Matinée am 25. Mai. 2008 / 11 Uhr / Jüdischer Salon am Grindel, Grindelhof 59, 20146 Hamburg (hinter dem Café Leonar)

English version below 

Das Unheimliche scheint die Negation des Heimlichen zu sein. Das Heimliche hat wiederum zwei Abhänge an Bedeutung. Diese komplexe Figuration von (un)Heimlich begegnet uns in der psychoanalytischen Kur und im Politischen gleichfalls –verwoben zwischen den Polen, fremd, bedrohlich, bekannt, aber verdrängt, plötzlich, erschreckend, schauerlich, genüsslich, heimisch, zu Hause, geborgen, abgeschlossen. (Ist fortzusetzen).Vor einigen Jahren entstand eine Deutsch-Israelische-Österreichische Psychoanalytikergruppe, die sich nach Treffen in Tel Aviv, Hamburg und Naharia inzwischen auch einen Namen gegeben hat: „GIPsy“ für German-Ivrit Psychoanalytic Seminar. Am 23. und 24. Mai 2008 tagt die Gruppe, diesmal wieder in Hamburg in den ausgebauten Räumen des Jüdischen Salons im Café Leonar im Grindelhof. Anknüpfend an das letzte Seminar wurde das Thema des Unheimliche ausgesucht, auch im Zusammenhang mit einer gleichnamigen Arbeit von Sigmund Freund.Koordination: Karl-Josef Pazzini (Hamburg), Avi Rybnicki (Tel Aviv), Rivka Warshawsky (Tel Aviv) The Uncanny seems to bet he contrary of the homely, which itself has two different meanings. We are always been confronted with this complex figuration, in the psychoanalytic cure as well as in political life –  torn between the poles, strange, menacing, known but repressed, sudden, frightening, gauntly, pleasurable, homefelt, at home, secure, finished (to be followed)
A few years ago some psychoanalysts from Germany, Israel and Austria formed a group,  which, after different meetings in Tel Aviv, Hamburg and Naharia, has now also chosen a name: GIPsy (German Ivrit Psychoanalytic Seminar). The next meeting will take place again in Hamburg on May 23rd and 24th, 2008, in the newly opened Jewish Salon in the Café Leonar on the Grindelhof. The theme, the Unscanny, came as a result of the last seminar and is related to a study by Sigmund Freud under the same title.
Languages: Ivrit, English, GermanCoordinated by: Karl-Josef Pazzini (Hamburg), Avi Rybnicki (Tel Aviv), Rivka Warshawsky (Tel Aviv)